Goniodysplasie und Glaukom (Grüner Star) beim Flatcoated Retriever
 
auge
Aufbau des Auges; der Kammerwinkel befindet sich zwischen Hornhaut (Cornea) und Regenbogenhaut (Iris)
Als Goniodysplasie oder DLP (Dysplasitsches Ligamentum pectinatum) bezeichnet man eine angeborene Augenanomalie den Iridocornealwinkel betreffend. Das bedeutet, dass eine Struktur im sog. Kammerwinkel des Augapfels zu eng angelegt ist, durch die das in den Augenkammern befindliche Kammerwasser das Auge verlassen soll. Ähnlich wie ein Abflußfilter mit zu wenigen Löchern.

Kommt es zu einem Ungleichgewicht zwischen Bildung und Abfluß (z.B. weil die Öffnungen verlegt sind), staut sich das Kammerwasser zunehmend im Auge an. Dies bedingt eine Steigerung des Augeninnendrucks auf bis das Dreifache der Norm, was mit extremen Kopfschmerzen für den betroffenen Hund verbunden ist. Der hochempfindliche Sehnerv toleriert derartige Werte schlecht, binnen kürzester Zeit verliert das Auge seine Sehfunktion und der Patient erblindet.

Der Anstieg des Augeninnendrucks wird als Glaukom oder auch Grüner Star bezeichnet. Für diesen sehr schmerzhaften Zustand gibt es beim Hund aktuell keine befriedigende chirurgische oder medikamentöse Behandlungsmöglichkeit. Der Sehnerv wird meist irreparabel geschädigt, unter Umständen muss sogar der bereits erblindete Augapfel noch komplett entfernt werden, um die Schmerzen durch den weiterhin hohen Druck zu beseitigen.

Neben dem Sibirian Husky und verschiedenen Spanielarten zählt auch der Flatcoated Retriever zu den Rassen, bei denen Goniodysplasie gehäuft beobachtet wurde. Studien in Großbritannien, dem Ursprungsland des Flatcoats, haben nicht nur einen klaren Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Goniodysplasie und Glaukom gezeigt, sondern auch eine eindeutige Beziehung zwischen dem Veränderungsgrad der Nachkommen und dem Grad der Elterntiere; eine Erblichkeit scheint also bewiesen.

Die Konsequenz aus diesen Erkenntnissen muss eine möglichst flächendeckende Untersuchung (Gonioskopie) der Flat-Population sein, um belastete Individuen und Linien zu erkennen. Am vordringlichsten gilt das für die Tiere, die aktiv am Zuchtgeschehen beteiligt sind. Goniodysplasie  kann verschieden stark ausgeprägt sein. Die allerwenigstens Hunde mit Goniodysplasie werden tatsächlich ein Glaukom entwickeln, "Gonio nicht frei" bedeutet keinesfalls krank oder zuchtuntauglich. Allerdings lässt sich die Gefahr für kommende Generationen am besten verringern, indem Risikoverpaarungen vermieden werden. D.h. befallene Tiere mit gering ausgeprägten Veränderungen können der Zucht auf jeden Fall erhalten bleiben, sollten aber nur mit untersuchten und als frei eingestuften Deckpartnern zusammengebracht werden.

In einigen Ländern ist die Gonioskopie Voraussetzung zur Erteilung einer Zuchtzulassung. In Deutschland erfolgt die Untersuchung bisher auf freiwilliger Basis. Dennoch zeigen erfreulich viele Züchter und Besitzer von Flatcoated Retrievern im DRC Verantwortungsbewusstsein und stellen ihre Hunde einem speziellen Veterinär- Augenarzt vor.

Die Gonioskopie erfordert ein gewisses Equipment, dauert aber insgesamt nicht sehr lang und ist für den Hund nicht schmerzhaft. Kurz vorher wird ein Lokalanästhetikum ins Auge getropft. Dann wird eine dicke Kunststofflinse auf das Auge gesetzt und der Kammerwinkel gründlich beurteilt.

Eine Liste der zugelassenen Ärzte finden Sie unter www.dok-vet.de. Es empfiehlt sich die Gonioskopie gleich bei der Anmeldung anzukündigen, da sie vor den anderen Untersuchungen (PRA/HC/RD) durchgeführt werden muss, bzw. bevor die Pupille zu diesem Zweck mit anderen Tropfen weitgestellt wurde.

 

normal
normaler Kammerwinkel bei einem FCR (s. Pfeile), deutlich erkennbar die Abflußöffnungen zwischen der Bälkchenstruktur des Trabekelwerks

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stark dysplastischer Kammerwinkel bei einem FCR, wo sich eigentlich Öffnungen befinden müssten ist nur noch ein schmales, dunkles Band zu sehen (s. Pfeile)


 

 

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